Pflegenoten

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Aktuelles

Das System der Pflegenoten macht viel Arbeit und hilft wenig. Schon 2011 wird gefordert diese Prüfungen auszusetzen. Karl-Josef Laumann wird 2014 mit der Bermerkung zitiert: „Pflegenoten in die Tonne“.
Im Mai 2016 geht die Bertelsmann Stiftung mit einem neuen Projekt an die Öffentlichkeit. Ihr Vergleichsportal soll helfen „den richtigen Pflegeanbieter“ zu finden. Dazu werden die Erhebungen der unzulänglichen Prüfungen verwendet. Die Stiftungsleute ignorieren einen Teil der Ergebnisse und lassen nur in ihre Bewertungen einfließen, was sie für wichtig halten. Daraus werden dann wieder Noten errechnet und in einer Weißen Liste veröffentlicht.
Die Bertelsmann Stiftung nutzt Daten, die speziell für die Pflegenoten ermittelt und in den „Transparenzberichten“ der einzelnen Einrichtungen veröffentlicht werden müssen. Welche Informationen mehr oder weniger wichtig sind, wird in der Fachöffentlichkeit seit Jahren diskutiert. Bei Bertelsmann wurde entschieden. Diese Entscheidung ist die Grundlage für das mit viel Aufwand beworbene neue „Vergleichsportal“. Warum die Ergebnisse aus einem schlechten System besser werden sollen, wenn die Datenbasis verkleinert wird, bleibt unklar.
Meine Bewertung: So ist die neue „Weiße Liste“ überflüssig.
Die Pflegenoten werden auch kritisiert, weil in den Prüfungen die Akten die wichtigste Rolle spielen. Die Bedürfnisse und Wünsche der Pflegebedürftigen kommen nur am Rande vor. Um derlei für einen Vergleich zu messen gibt's keine brauchbaren Instrumente. Forschung ist nötig.
Die Bertelsmann Stiftung verfügt über umfangreiche Ressourcen. Warum werden die nicht eingbracht, um im laufenden Prozess, gemeinsam mit den anderen Akteuren Werkzeuge zu entwickeln, die den Vergleich stationärer und ambulanter Pflege möglich machen? So könnte allen Pflegebedürftigen geholfen werden.

Links:
Deutsche Pflegeheime sind deutlich schlechter als bislang gedacht, Beitrag in der SZ vom 24. Mai 2016.
Pflegenoten: Qualität entsteht nicht durch Kontrolle, Pressemitteilung Bündnis90/Grüne vom 25. Mai 2016.

Allgemeines

Die Pflegereform 2008 hat einige wichtige Veränderungen für die Pflege in Deutschland gebracht. Es wurde unter anderem beschlossen, dass die Arbeit aller Pflegeeinrichtungen regelmäßig und ohne Ankündigung nach einheitlichen Regeln geprüft werden soll. Die Prüfungsergebnisse müssen veröffentlicht werden, um Pflegebedürftigen die Entscheidung über eine Pflegeeinrichtung zu erleichtern. Dazu werden Pflegenoten vergeben.

Nach einem Testlauf, mit etwa 700 geprüften und benoteten Einrichtungen wurde deutlich, dass die Gesamtnoten weniger aufschlussreich sind, als die Noten zu den fünf Teilbereichen.
Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS pfeil), wies darauf hin, dass sich die Bewohnerbefragungen als wenig aussagekräftig erwiesen hätten. Die Noten ausreichend oder mangelhaft seien gar nicht vergeben worden. 98,8 Prozent der Einrichtungen erhielten hier gute Noten. Betroffene in dieser Weise zu befragen, hilft also nicht beim Vergleich verschiedener Pflegeeinrichtungen. (Tabelle mit den wichtigsten Zahlen pfeil)

März 2011

2011 geht Thomas Klie einen radikalen Schritt. Er fordert, zusammen mit vielen Anderen, öffentlich die Vergabe von Pflegenoten einzustellen. Zusammen mit Franz J. Stoffer schreibt er:
Nein zu Pflege-Noten. Unterstützen Sie das Moratorium
[... mehr lesen]
Claus Fussek schreibt: "... Diese 'Notendiskussionen' hat für mich längst absurde Züge angenommen. Bei mir rufen täglich Angehörige an, in der Hoffnung, dass ich ihnen 'gute Heime' empfehlen kann ... Es hat noch niemand nach einer Note gefragt!!! 'Mund-zu-Mund-Propaganda' ist das bewährte Kritierium! ... Außerdem haben doch fast alle Heime 'Bestnoten' ... Es ist doch alles in Ordnung. Und die PrüferInnen des MDK sind die ehemaligen BerufskollegenInnen ... und alle wissen doch, wie man Dokumentationen 'für den MDK' ausfüllt...!" [Quelle]

Ab 1. Februar 2014
gelten neue Richtlinien für die Pflegenoten, offiziell: Qualitätsprüfungen von Pflegeeinrichtungen oder Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR). Es ist den Gremien der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen nicht gelungen, die grundsätzliche Kritik an dieser Art der Prüfungen aufzunehmen. Diese Änderungen dürfen "kosmetisch" genannt werden. [... mehr]

Mai 2015

Unter der Überschrift Was folgt auf den Pflege-TÜV? hat der Deutschlandfunk Dr. Peter Pick (MDS pfeil), Hilde Mattheis pfeil (MdB, SPD), Klaus Wingenfeld (UNI Bielefeld) und Manfred Stegger (BIVA pfeil) an einen Tisch geholt, um über die Zukunft von Bewertung und Transparenz in der Altenpflege zu debattieren.
Das lässt sich nachhören pfeil (knapp 70 min).

Juni 2015

Alle Seiten sind sich einig: diese Pflegenoten helfen bei der Entscheidung über Pflegedienst/Altenheim fast gar nicht.
Folglich setzt sich sich Karl-Josef Laumann seit vielen Monaten dafür ein, mit Notenvergabe und Veröffentlichung aufzuhören (z.B. im September 2014). Er will die Prüfteams zwar weiter durch die Einrichtungen laufen lassen, für eine Übergangszeit soll es aber keine Noten sondern Berichte geben (RP: 22. Juni 2015). Ein wichtiges Argument für dieses Provisorium:
Ab 2017 sollen die bisherigen Pflegestufen durch fünf Pflegegrade abgelöst werden. Da ist er sich sicher. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, nach dem die Pflegegrade vergeben werden sollen, muss in Einrichtungen und MDK erst eingeführt werden. Es ist zu erwarten, dass auch einige klärende Gerichtsurteile geben wird. Viel zusätzliche Arbeit für die Pflegeprofis, die die Pflegearbeit machen. Gleichzeitig, zusätzlich auch neue Transparenzprüfungen einzuführen wäre wohl zu viel Reform.


Pressemitteilung des MDS vom 8.10.2009
Neben den Pflegenoten werden auch andere Ideen zur Auswahl einer Pflegeeinrichtung in die Diskussion gebracht.