Wissenschaft zur Pflegenote

Seit Juli 2010 liegt eine erste wissenschaftliche Studie zu diesem Versuch mehr Transparenz in der Pflege zu schaffen vor. Teams der Pflegewissenschaft aus Hamburg und Berlin sollten erforschen:
- inwieweit die gewählten Qualitätskriterien geeignet sind Ergebnis- und Lebensqualität, für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen übersichtlich und vergleichbar darzustellen.
- welche Elemente der Pflege-Transparenzvereinbarungen sich aus wissenschaftlicher Perspektive bewährt haben.
- welche Verbesserungen sinnvoll erscheinen, und welche Prioritäten dabei gesetzt werden sollten.

Eine wichtige Aussage der Studie ist, dass die meisten VerbraucherInnen neben den Pflegenoten auch andere Entscheidungskriterien haben: Kosten, Entfernung und Wohnlichkeit der Einrichtungen können für die Entscheidung über ein Altenheim wichtiger sein als die Pflegenote. Die Studie hebt auch hervor, dass die Stellungnahmen der Einrichtungen, die Teil der veröffentlichten Pflegenoten sind, aufmerksam gelesen würden.
In der Studie werden Zweifel an der Objektivität und an der Zuverlässigkeit der Pflegenoten geäußert. Darüberhinaus wird auch gefragt, ob die geprüften Kriterien wirklich geeignet sind, um die Lebensqualität der Pflegebedürftigen wider zu spiegeln. Begründet werden solche Zweifel auch mit handwerklichen Fehlern bei der Datenerfassung und Auswertung.
Eine der Empfehlungen der Studie passt zu öffentlichen Forderungen der letzten Monate: Es sollen einzelne Kriterien stärker gewichtet werden. Sie könnten dann "zur Abwertung" in den (Gesamt)-Noten führen.
Bei den jetzigen Prüfungen spielt die Pflegedokumentation eine herausragende Rolle. Die Studie verweist auf Forschungsergebnisse, dass "nur 40% der Pflegeaktivitäten und -maßnahmen in den Dokumentationen enthalten waren" (Seite 291), also mehr gemacht wird, als schriftlich festgehalten. Andererseits gebe es auch Studien, die zeigten, dass Handlungen zwar dokumentiert, aber nicht durchgeführt würden. Auch mit diesen Argumenten wird die Bedeutung der Pflegedokumentation für die Lebenqualität in Frage gestellt und empfohlen, "am Heimbewohner/Kunden" (Seite 292) die Qualität der Pflege zu untersuchen.
Auf über 300 Seiten wird intensiv über Nutzen und Schwächen der Pflegenoten geschrieben. Eine Lektüre, die wissenschaftliches Durchhaltevermögen erfordert.

Während Zeitdruck, Pragmatismus und politische Rangeleien die Entstehung der "Pflege Transparenz Vereinbarungen" (PTV) dominierten, soll jetzt nüchterne Wissenschaft die Praxis überprüfen. Der Bericht der Professorinnen Hasseler und Wolf-Ostermann "zeigt, dass weder national noch international wissenschaftliche Erkenntnisse zu Transparenzsystemen vorliegen, die sich als kurzfristig realisierbare Alternative zu den PTV anbieten. Deshalb gibt es ungeachtet des Überarbeitungsbedarfs nach Auffassung des Beirates zu den PTV derzeit keine Alternative." (Seite 4-5)

Statement - Wissenschaftliche Evaluation zeigt: Risikokriterien sollten kurzfristig berücksichtigt werden, Pressemitteilung GKV-Spitzenverbandes vom 21.7.2010 mit Link um die Studie zu laden

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